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Man
hört: ein Lied. „Hänschen klein“, ein Lied über das Weggehen,
Großwerden, Wieder-zurückkommen. Die
Geschichte vom verlorenen Sohn, gesungen von einem zweijährigen
Kind. Man
sieht: einen jungen Mann, die Lippen bewegend, singend. Der
Mann von heute. Das Kind von damals. Eine Arbeit über das Weggehen,
Großwerden, Vielleicht-wieder-zurückkommen.
1.
Hänschen
klein
Ging allein
In die weite Welt hinein.
Stock und Hut
Steht im gut,
Ist ganz wohlgemut.
Aber Mutter weinet sehr,
Hat ja nun kein Hänslein mehr!
„Wünsch’ dir Glück!“
Sagt ihr Blick,
„Kehr’ nur bald zurück!“
2.
Sieben
Jahr
Trüb und klar
Hänschen in der Fremde war.
Da besinnt
Sich das Kind,
Eilet heim geschwind.
Doch nun ist’s kein Hänschen mehr.
Nein, ein großer Hans ist er.
Stirn und Hand
Braun gebrannt
Wird er wohl erkannt?
3.
Eins,
zwei, drei
Geh’n vorbei,
Wissen nicht, wer das wohl sei.
Schwester spricht:
„Welch Gesicht?“
Kennt den Bruder nicht.
Kommt daher die Mutter sein,
Schaut ihm kaum ins Aug hinein,
Ruft sie schon:
„Hans, mein Sohn!
Grüß dich Gott, mein Sohn!
„Es
geht um den Umbau der Welt zur Heimat, ein Ort, der allen in der
Kindheit scheint und
worin noch niemand war.“
aus:
Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung
„[...]
Im Zeitalter der Globalisierung erscheint es eher ein Ausdruck von
Nostalgie oder Konservativität, über Heimat zu reden. Der
modernisierte Mensch, mobil, flexibel, weltweit vernetzt (so
zumindest lässt es die Ideologie der Globalisierung erscheinen)
braucht keine Heimat mehr. Er ist überall auf der Welt zuhause, und
die Welt erreicht ihn noch im abgelegensten Winkel über Produkte,
Medien und wirtschaftliche Zusammenhänge. Es gibt keine
abgeschlossene Enklave, keinen sicheren Rückzugsort mehr, den man
noch als Heimat bezeichnen könnte. [...] Heimat [ist] ein
biografischer Ort, ein Ort, der zwar nicht nur in der Kindheit ist,
aber in dieser wesentliche Prägungen erfährt. [...] Kinder nehmen
Heimat nicht nur passiv wahr und auf, sondern bewerten, beeinflussen
und verändern sie von Anfang an. Das erklärt, warum ein und
dieselbe „objektive“ Heimat von zwei Menschen ganz
unterschiedlich wahrgenommen, beschrieben und bewertet werden kann.
Heimat hat also bereits in der kindlichen Entwicklung etwas mit dem
Hinausgehen, der Erweiterung seines Radius und damit seiner eigenen
Handlungsmöglichkeiten zu tun. Das Besondere der Heimat, das was
typisch für „uns“ ist, wird häufig dann deutlich, wenn man sie
verlässt und sich mit dem Fremden, Unbekannten konfrontiert. Gerade
für Kinder ist die Vorraussetzung für dieses Hinausgehen aber
Geborgenheit, Urvertrauen, sichere Bindung, also eine relative
Sicherheit darüber, dass die Heimat noch da ist, wenn ich
„heimkomme“, noch so ist, wie ich sie verlassen habe. Das
deutsche Kinderlied „Hänschen klein“ erzählt genau diese
Erfahrung des Hinausgehens und Zurückkommens, mit einer zugegeben
etwas repressiven Mutter, die zwar weint, aber eben auch noch da
ist, wenn Hänschen heimkommt.“
aus:
Beate Mitzscherlich,
Brauchen Menschen Heimat? Die psychologische Notwendigkeit von
Beheimatung
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