Wir suchen zur Wiederbesetzung der Hausmeisterstelle
eine/n Kunsthistoriker/in mit praktischen Fähigkeiten
Das Aufgabengebiet umfaßt die Durchführung der täglich stattfindenden Schloßführungen und die Erledigung kleiner handwerklicher Tätigkeiten sowie die Mitarbeit in der hauswirtschaftlichen Betreuung des Schlosses.
Vorausgesetzt werden ein Studium der Kunstgeschichte mit Kenntnissen der Kunst des 18. Jahrhunderts, Erfahrungen im Umgang mit Museumsbesuchern sowie technisches Verständnis. Ebenso die Übernahme der Betriebswohnung im Schloß, Wochenenddienst und eine Urlaubssperre zwischen dem 01.04. und dem 31.10.
Eine ausführliche Stellenbeschreibung erhalten Sie auf Wunsch mit rückadressiertem Umschlag. Interessenten werden gebeten, Ihre Bewerbung mit den üblichen Unterlagen (incl. eines polizeilichen Führungszeugnisses) zu richten an:
Gemeinnützige Stiftung Schloß Weißenstein
in Pommersfelden Schloßplatz 1, 97353 Wiesentheid www.schoenborn.de
[Anzeige im "Fränkischen Tag" (Bamberg),
6. Februar 1999]
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In der FAZ vom 24. Februar 1999
schrieb dazu Sybille Ebert-Schifferer:
Erlauchter Fauxpas
Wir haben Verständnis: Wer gern Mozart hört, französisch conversieret und samstags statt in der Südkurve lieber in die eigene Gemäldegalerie geht, fühlt sich durch Handwerker, die bei der Arbeit Heavy Metal aus dem Kofferradio hören und sich lautstark in ländlichem Dialekt über die letzte Vorabendserie unterhalten, empfindlich gestört. Um wieviel adretter ist da doch die Vorstellung eines Hausmeisters, der beim Schneeschippen Michelangelo-Sonette rezitiert, beim Heckenschneiden von Watteau-Ausstellungen träumt, Besucher nach den Maßstäben der Le Brunschen Physiognomik einschätzt und die Einhaltung von "Ordnung, Sauberkeit und Ruhe" (so die vornehmste Aufgabe des Amtsinhabers) auf lateinisch besorgt.
Daher haben Herr Graf seine Hausmeisterstelle jetzt für eine/n "Kunsthistoriker/in mit praktischen Fähigkeiten" ausgeschrieben.
Unter der Voraussetzung eines abgeschlossenen Studiums mit besonderen Kenntnissen der Kunst des 18. Jahrhunderts erwarten den Bewerber eine zwangsweise zu beziehende Dienstwohnung, die Durchführung der täglich stattfindenden Schloßführungen, zusätzliche Wochenenddienste, die Erledigung kleinerer handwerklicher Tätigkeiten und Mitarbeit in der Hauswirtschaft.
Von solch verlockenden Aussichten euphorisch gestimmt, besorgten wir uns gegen den zwar grammatikalisch fehlerhaft, aber in der Sache unmißverständlich geforderten Rückumschlag die Stellenbeschreibung. Und schon holt uns das pralle Leben auf den tristen Boden unserer mangelhaften akademischen Ausbildung zurück. Wir haben noch nie die ordnungsgemäße Straßenreinigung eines Schlosses besorgt, sind nicht schwindelfrei genug, um Hecken und Bäume zu beschneiden, bekommen beim Reinigen ganzer Paläste garantiert einen Hexenschuß und haben keine Ahnung, wie man Heizungsanlagen wartet und Öltanks kontrolliert.
Darauf zu achten, daß bei Regen, Schnee und Frost die Fenster und sämtliche Öffnungen des Dachbodens geschlossen bleiben, sowie nach festem Stundenplan die Gemäuer auf Ungeziefer hin überprüfen, würden wir uns hingegen ohne weiteres zutrauen, auch die Mithilfe an Inventarisierungsarbeiten und Sonderausstellungen der Kunstsammlungen. Sind es doch gerade letztere, die unser berufliches Herz höher schlagen lassen. Aber, leider: Deren Verwaltung gehört ausdrücklich nicht zum Hausmeisterbereich. Bevor wir nun bedauernd feststellen müssen, daß Kunstgeschichte vielleicht doch die falsche Disziplin für den gesuchten Stelleninhaber ist, müssen wir aus fachlicher Besorgnis auf der Ergänzung der Pflichtenliste bestehen, da uns nicht entgangen ist, daß diese auch einfache restauratorische Maßnahmen umfaßt. Hier sollte eingefügt werden: "Nach der Kontrolle des Heizöltanks, vor dem Retuschieren von Barockgemälden sind die Hände gründlich mit mitzubringender Seife zu reinigen."
Wir wollen aber auch einen konstruktiven Vorschlag machen. Es gibt so viele arbeitslose Mediziner. Wir empfehlen, die Stelle für einen Herzchirurgen auszuschreiben. Chirurgen sind handwerklich viel geschickter, was sich sowohl auf die Form der Buchskugeln als auch auf die Zerlegung des Festbratens positiv auswirken dürfte. Und wenn wir auch niemandem etwas Schlechtes wünschen, so spricht einfach die Statistik der Herz-Kreislauf-Erkrankungen dafür, daß es gut sein könnte, so jemanden in der Nähe zu haben. Besonders im heißen Sommer. Wie gut, daß der Hausmeister vom 1. April bis zum 31. Oktober Urlaubssperre hat. Es besteht auch keine Gefahr, daß er die Bypass-Technik verlernen könnte: Es gibt gewiß genug verkalkte Wasserleitungen zu reparieren.
Bei Interesse bitten wir, sich direkt an die gemeinnützige Stiftung Schloß Weißenstein in Pommersfelden zu wenden, zumal wir nicht in Erfahrung bringen konnten, ob es auch noch ein Gehalt gibt. Vielleicht hängt die Einstufung als "gemeinnützig" ja mit diesem sorgsam gehüteten Geheimnis zusammen?
Übrigens: Im stillen finden wir, daß gewisse Verhaltensweisen, die im 18. Jahrhundert üblich waren, heute nicht mehr salonfähig sind. Auch nicht gegenüber einem Hausmeister.
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